Titel: The King’s Speech
Deutscher Titel: The King’s Speech
Genre: History, Drama
Regie: Tom Hopper
Drehbuch: David Seidler
Produzenten: Iain Canning, Emile Sherman, Gareth Unwin, Geoffrey Rush
Darsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter, Guy Pearce, Timothy Spall, Derek Jacobi, Jennifer Ehle, Michael Gambon
Musik: Alexandre Desplat
Land: UK
Deutschlandstart: 17.02.2011

1925, Wembley Stadion. Prince Albert, Duke of York (Colin Firth) soll zur Beendigung der British Empire Exhibition eine Rede vor tausenden Menschen halten und das ganze Volk wird Zeuge seines Stotterns. Der Prinz, versucht alles, besucht jeden Spezialisten doch keiner kann ihm bei seinem Problem helfen. Die X-Beine, die er als Kind hatte, wurden mit schmerzenden Metallschienen beseitigt doch gegen sein Stottern konnte bisher keiner etwas tun. Da er nicht oft öffentlich sprechen muss und er nach seinem Bruder David (Guy Pearce) nur an zweiter Stelle in der Thronfolge steht, wird sich das auch nicht ändern, so glaubt er zumindest. Doch sein Vater, King George V (Michael Gambon) sieht das anders und zwingt Albert – oder Bertie, wie seine Familie ihn nennt – sich mit der verhassten neuen Erfindung des Rundfunks vertraut zu machen. Alberts Frau Elizabeth (aka. Queen Mum – Helena Bonham Carter) sucht auf eigene Faust einen letzten Experten auf, der ihrem Mann helfen könnte. Nach einem ersten Treffen unter eher unorthodoxen Bedingungen macht Elizabeth ihren Mann mit dem vermeintlichen australischen Sprachexperten Lionel (Geoffrey Rush) bekannt. Das erste Treffen läuft nicht gut und der Prinz verlässt zornig die Praxis des Sprachtrainers. Doch er besinnt sich eines anderen und lässt sich schließlich doch helfen. Doch der Tod seines Vaters und die Konfrontationen mit seinem Bruder, dem nun rechtmäßigen König, versetzen Albert einen herben Rückschlag. Als dann noch sein Bruder die Liebe der Regentschaft vorzieht und abdankt, um mit seiner zweifach geschiedenen Frau zusammen sein zu können, steht Albert vor seiner bisher größten Herausforderung. Denn als König gibt es nicht nur die Weihnachtsansprache und die Krönungszeremonie, auch der sich ankündigende zweite Weltkrieg verhindert, dass sich der frischgebackene König zuhause versteckt und mit niemandem redet.

The King’s Speech ist ein Film über einen Mann, dem es aufgrund seines Stotterns an jeglicher Selbstsicherheit fehlt. Das tragische daran ist, dass der Zuschauer weiß, dieser Mann wird bald König von England werden und der Zuschauer weiß das, wenn Bertie noch hofft, dieser Kelch würde an ihm vorbeiziehen. Es ist aber auch ein Film über Freundschaft. Eine Freundschaft, die der britische Prinz nur von dem australischen Therapeuten bekommen kann, der so überhaupt keine Ahnung vom Protokoll hat und sich nicht scheut, die königliche Hoheit wie jeden anderen Patienten zu behandeln. Was an The King’s Speech am meisten stört ist die Tatsache, dass der Kriegsbeginn der Höhepunkt des ganzen Films ist. Krieg bricht über England herein und des Königs einzige Sorge ist die Rede, die er sich nicht zu halten traut. Nach der “Ja, es ist Krieg aber das wird schon wieder”-Rede strahlen alle wie Honigkuchenpferde. Klar, Krieg ist doof, aber der König hat seine Rede gehalten und das ist doch ein Anlass zur Freude. Im Grunde will The King’s Speech nämlich überhaupt kein Drama sein, auch wenn es auf dem Plakat steht. Vor allem die Dialoge und das Aufeinandertreffen der ungleichen Charaktere sorgt für Lacher im Publikum.

Fazit: toller Film aber nicht unbedingt ein gutes Drama. Und meiner Meinung nach Oscar-mäßig stark überschätzt. Helena Bonham Carter beispielsweise. Sie spielt gewohnt gut aber sie leistet überhaupt nichts außergewöhnliches, das eine Oscar-Nominierung gerechtfertigt hätte. Wie dem auch sei, mit den tatsächlich gewonnenen Academy Awards kann ich leben, über den für das beste Drehbuch könnte man gegebenenfalls noch streiten.
Noch ein Tipp an die lieben Eltern: der Film ist ab 6 freigegeben, aber wenn ihr nicht wollt, dass eurer Kind von den Lehrern nach Hause geschickt wird, weil es in der Klasse “Fuck, Tits, Arse, buggerty bugger” ruft, überlegt euch das nochmal.

9/10