Titel: Going Postal
Deutscher Titel: Going Postal
Genre: Fantasy, Comedy
Regie: Jon Jones
Drehbuch: Buchvorlage: Terry Pratchett; Richard Kurti, Bev Doyle
Produzenten: Rod Brown, Vadim Jean, Ian Sharples
Darsteller: Richard Coyle, David Suchet, Charles Dance, Claire Foy, Steve Pemberton, Andrew Sachs, Tamsin Greig, Timothy West, Terry Pratchett
Verleih: Hollywood Pictures
Land: UK
Deutschlandstart: 15.11.2010 (DVD/Blu-ray)

Der Gauner Moist von Lipwig (Richard Coyle – im deutschen Buch “Feucht von Lipwig”. Übersetzungen von Pratchett-Werken ins Deutsche sind ein ganz eigenes Kapitel, das komplette Foren und Wikis füllt. Man guckt und liest es am besten im Original) wurde nach zahlreichen Betrügereien schließlich doch von seiner Vergangenheit eingeholt. Er hat nie jemandem etwas zuleide getan, trotzdem soll er gehängt werden. Doch nach dem Gang zum Galgen wacht er nicht wie erwartet im Reich einer der unzähligen Götter der Scheibenwelt auf, sondern im Büro Lord Vetinaris (David Suchet), dem Patrizier der Metropole Ankh-Morpork. Vor Vetinari fürchten sich selbst Angehörige der Assassinengilde, dementsprechend unwohl ist Moist bei dieser Begegnung, die nichts Gutes verheißen kann. Vetinari stellt Moist vor die Wahl: entweder droht ihm doch der Tod oder er nimmt die Stellung als Postmaster General an und restauriert die alte Post Ankh-Morporks. Denn Vetinari ist das neue Kommunikationsmedium, die Clacks-Tower des skrupellosen Geschäftsmannes Reacher Gilt, ein Dorn im Auge. Mit diesen optischen Telegraphen lassen sich Nachrichten und sogar Bilder theoretisch in wenigen Sekunden übermitteln. Nur fallen die Clacks oft aus und die Monopol-Stellung gefällt Vetinari gar nicht. Da er sich nicht direkt einmischen kann, macht er sich Moist zunutze und zwingt ihn also, die Post wiederzubeleben und als Konkurrenz-Unternehmen zu Reacher Gilt zu führen. Doch Gilt sitzt natürlich nicht tatenlos dabei, während an seinem Monopol der Nachrichtenübermittlung gerüttelt wird. Und der Halunke Moist sieht auch nicht ein, sein neu gewonnenes Leben zu riskieren und versucht, seiner Verantwortung zu entfliehen. Erst Adora Belle Dearheart (Claire Foy), Gründerin des Golem Trust, einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Rechte der Golems zu vertreten, kann Moist trotz ihrer zynischen und abweisenden Art überzeugen, dem ehrlichen Leben eine Chance zu geben und für die Post und seine Liebe zu Adora zu kämpfen.

Going Postal ist die nunmehr dritte Realverfilmung einer Geschichte des britischen Bestseller-Autors Terry Pratchett. Die Geschichten um die Scheibenwelt existieren mittlerweile seit mehr als einem Vierteljahrhundert und entwickeln sich ständig weiter. Nachdem die ersten beiden Filme relativ frühe Zeitpunkte in der Scheibenwelt-Chronologie behandelten, springt Going Postal recht weit nach hinten, was für Zuschauer, die mit der abgedrehten Fantasywelt voller Anachronismen nicht vertraut sind, möglicherweise noch komplizierter sein könnte. Going Postal war bereits der dreißigste Scheibenwelt-Roman, führt aber neue Charaktere ein und setzt so kaum Vorwissen voraus. Normalerweise stehen bestimmte Gruppen wie die Stadtwache, die Zauberer oder die Hexen im Vordergrund, die über die Jahre Entwicklungen durchlebt haben, die man kennen muss, um der Story folgen zu können. Moist von Lipwig startet in Going Postal quasi einen neuen Handlungsstrang, der in Making Money fortgesetzt wird, so dass auch Neulinge oder Personen, die noch nie von der Scheibenwelt gehört haben, Spaß an Going Postal haben werden.
Auch optisch kann Going Postal überzeugen, was für eine TV-Produktion mit relativ geringem Budget nicht einfach ist. Selbst die Golems wirken nicht übertrieben albern. Der Banshee-Auftragsmörder allerdings schon, das hätte man besser weglassen oder anders lösen sollen, das kratzt aber nur wenig an der sonst nahezu perfekten Verfilmung eines der besten Terry Pratchett-Bücher. Da Fans Verfilmungen meist sehr viel kritischer sehen, kann man die Aussage fast als Höchstwertung zählen. Going Postal ist ein aufwendig produzierter TV-Film, der auch allen, die mit Pratchett oder Fantasy allgemein (bis jetzt) nicht viel anfangen konnten.

7/10