Titel: Black Swan
Deutscher Titel: Black Swan
Genre: Psycho-Thriller
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Mark Heyman, Andres Heinz, John McLaughlin
Produzenten: Scott Franklin, Mike Medavoy, Arnold Messer, Brian Oliver
Musik: Clint Mansell
Darsteller: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, Winona Ryder
Verleih: Twentieth Century Fox
Land: USA
Deutschlandstart: 20. Januar 2011

Die Ballerina Nina (Natalie Portman) ist mit Leib und Seele Ballerina und trainiert selbst in ihrer Freizeit zu Hause ununterbrochen. Der große Durchbruch ist ihr bis jetzt jedoch verwehrt geblieben. Das könnte sich ändern, als Thomas (Vincent Cassel), der Direktor des Ensembles, Beth (Winona Ryder), den bisherigen Star der Aufführungen, rauswirft. Sie sei schlichtweg zu alt und etwas neues und frisches wäre nötig, um das Ballett wieder massentauglich zu machen. Eben zu dem Zweck will Thomas die Saison mit Schwanensee eröffnen, allerdings in einer komplett neuen Inszenierung. Nur die Hauptrolle ist noch unbesetzt und Nina könnte sie mir Leichtigkeit bekommen, wäre da nicht das Problem, dass das schüchterne Mädchen in der Hauptrolle den unschuldigen weißen Schwan, aber auch den aggressiven, impulsiven schwarzen Schwan spielen müsste. Und wenn ihr das nicht eh schon schwer genug fallen würde, wird sie gleichzeitig von ihrer kontrollsüchtigen Mutter unter Druck gesetzt, die damals ihre Ballett-Karriere für ihre Tochter an den Nagel hängen musste. Als dann noch mit der neuen Tänzerin Lily (Mila Kunis – Max Payne, Forgetting Sarah Marshall) quasi die Verkörperung dessen, wofür der schwarze Schwan steht, die Bühne betritt und Nina um ihren Part bangt, verliert sie mehr und mehr den Verstand. Sie muss selbst zum schwarzen Schwan werden, um der Rolle gerecht zu werden, sich regelrecht verwandeln, um den Ansprüchen Thomas’ und in erster Linie ihren eigenen gerecht zu werden. Auf der einen Seite arbeitet sie härter an sich selbst, als jemals zuvor, versucht aber gleichzeitig Thomas’ Rat zu befolgen, sich zu lockern und ihre impulsive Seite zu entdecken und zu erleben. Nach einer Nacht voller Drogen, Sex und Alkohol zusammen mit Lily verstärken sich ihre Wahnvorstellungen nur noch. Sie ist regelrecht paranoid, glaubt, Lily sei hinter ihrer Rolle her und sie kann kaum noch erkennen, was Realität und was Traum ist. Nina weiß nur eins sicher, sie wird nur von einem Ziel getrieben: den weißen und den schwarzen Schwan vor Publikum perfekt zu performen.

Black Swan ist ein starker Psychothriller mit einigen Schock-Momenten, einem gewohnt grandiosen Soundtrack von Clint Mansell (Pi, Requiem For A Dream, Moon) und einer fantastischen Natalie Portman, die in ihrer Rolle ebenso aufgeht, wie Nina in der des Schwans. Genau wie Nina hat auch sie bis zur Erschöpfung trainiert, um der Rolle gerecht zu werden und nicht nur äußerlich zu einer Balletttänzerin zu werden. Die meisten Szenen konnte sie dank sechs Monaten Training selbst spielen und das ermöglicht Matthew Libatique (Pi, Requiem For A Dream) mit seiner einzelnen Handkamera, die Tanz-Szenen aus jedem Winkel und direkt aus dem Geschehen zu filmen, ohne etwas verstecken zu müssen. Aber nicht nur auf der Bühne überzeugt Natalie: in ihrer freizügigen Sex-Szene mit Kollegin Mila Kunis zeigt Miss Portman (möglicherweise zukünftige Mrs. Millepied. Am Set lernte sie den Tänzer Benjamin Millepied kennen. Die beiden sind verlobt und erwarten bereits ihr erstes Kind) sich von einer neuen Seite und scheut sich nicht, alles von sich preiszugeben.
Doch neben dem ganzen Lob gibt es auch negative Aspekte, die man trotz der fantastischen Kombination aus Portman, Aronofsky und Mansell nicht übersehen sollte. Die Schock-Elemente sind wenig innovativ und wurden so schon hunderte Male verwendet und die psychische Verwandlung Ninas ist nicht sehr vielschichtig dargestellt, sie passiert einfach. Dazu kommt der optische Aspekt, der dem Zuschauer die Verwandlung noch deutlicher vor Augen führt. Man weiß nicht, ob Aronofsky die Intelligenz des Publikums unterschätzt oder einfach nur mit den Effekten prahlen wollte, doch die tatsächliche Verwandlung – so schön sie optisch auch sein mag – war eigentlich überflüssig. Auch ist die Handlung kaum überraschend, wird doch für Laien einige Male der Plot Schwanensees erläutert, der natürlich grob dem Plot Black Swans entspricht.

Auf die halbherzigen Schock-Momente hätte Aronofsky verzichten können, die passen nicht und funktionieren auch nicht wirklich. Was funktioniert ist Natalie Portman als psychisch labile Balletttänzerin. Mit Portmans Performance steht und fällt der Film, sie ist Black Swan und zum Glück kann sie fast ausnahmslos überzeugen. Aber Black Swan ist ja nicht Aronofskys erster Film, dessen Qualität von einem einzigen Schauspieler abhängt. Angeblich soll Aronofsky schon 2000 mit Portman im Gespräch über Black Swan gestanden haben, lange bevor Titel oder Story feststanden. Die Entscheidung, den Film um Natalie herum aufzubauen, wurde also ganz bewusst gefällt und das Konzept geht auf. Bis auf die wenigen genannten Ausnahmen, aber darüber kann man nicht nur als Portman/Aronofsky-Fan hinweg sehen.

Black Swan ist für fünf Oscars nominiert, u.a. in den Kategorien Bester Film und Beste Hauptdarstellerin.

8/10