Captain America: The First Avenger
Titel: Captain America: The First Avenger
Deutscher Titel: Captain America: The First Avenger
Genre: Comicverfilmung
Regie: Joe Johnston
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Darsteller: Chris Evans, Hugo Weaving, Natalie Dormer, Stanley Tucci, Tommy Lee Jones, Neal McDonough, Dominic Cooper, Anatole Taubman, Sebastian Stan
Verleih: Paramount Pictures
Land: USA
Deutschlandstart: 18.08.2011
USA, 1942: Steve Rogers möchte nichts lieber, als für sein Vaterland in den Krieg zu ziehen. Nicht weil er gerne tötet, sondern weil er einfach keine Bullies mag, wie er sagt. Nur wird er jedes mal ausgemustert, so oft er es auch unter falscher Identität versucht. Er ist klein, schmächtig, hat Asthma und noch vieles mehr. Körperlich könnte er ungeeigneter nicht sein, dafür ist er clever und trägt das Herz am rechten Fleck. Wie der Zufall so will, wird auf einer Präsentation von Howard Stark (Iron Mans Dad) Dr. Erskine auf den kleinen Mann aufmerksam und bietet ihm die Erfüllung seines Traumes an. Was er ihm nicht erzählt: der Doktor hat ein Serum entwickelt, das jeden Soldaten in einen Supersoldaten verwandeln kann. Leider wurde er in seiner deutschen Heimat schon dazu gezwungen, dem Nazi-Offizier Johann Schmidt (Hugo Weaving) das Serum zu verabreichen, weshalb auch die Deutschen über einen Supersoldaten verfügen. Und einen verrückten noch dazu, sucht Schmidt doch nach Götterartefakten und versucht, im Alleingang die Weltherrschaft zu erlangen.
Auf der anderen Seite nutzt Captain America, wie Rogers fortan genannt wird, sein neu gewonnenes Image, um durch Auftritte Geld für die Armee zu gewinnen, den Krieg hat er immer noch nicht gesehen. Als sein bester Freund von einem Einsatz nicht mehr zurück kehrt, hat der ehemalige Hänfling genug davon, an der Seitenlinie zu stehen, und greift nur unterstützt von der Agentin Peggy Carter (Hayley Atwell) die feindliche Basis an, in der sein Kumpel Buck vermutet wird und erklärt Nazi-Bösewicht Red Skull den Krieg.
Captain America, der amerikanischste aller Superhelden, reiht sich in die Riege der Avengers ein. Der Comic entstand in erster Linie zu Propagandazwecken. Comics, in denen Nazis bekämpft oder Hitler zu einer Lachnummer gemacht wurde, waren in den USA keine Seltenheit, Captain America war aber vermutlich der einzige Comic-Held, der alleine zu diesem Zweck erschaffen wurde. Im Film wird das ganze etwas entschärft und für internationales Publikum tauglich gemacht. Auf übertriebenen Patriotismus wird fast vollständig verzichtet, es gibt keine Hasstiraden auf Deutschland und Dr. Erskine klärt den Captain in einer ruhigen Minute darüber auf, dass die Deutschen ebenso Opfer Hitlers sind, wie alle anderen auch. Und die Soldaten, die der tapfere Captain befreit? Sind zu seiner Überraschung nicht nur Amis, sondern Franzosen, Italiener und sogar Asiaten.
Da Nazis als Feindbild schon total abgenutzt sind – irgendwann wird selbst das langweilig – verzichtet man bei Captain America fast vollständig auf das eigentliche Grundkonzept der Comics. Hitler kommt überhaupt nicht vor, Swastikas sieht man keine und vom normalen Kriegsgeschehen wird auch nichts gezeigt. Captain America gegenüber stehen keine deutschen Armeen, sondern ausschließlich sein quasi ebenbürtiger Gegenspieler Red Skull und dessen vermummte Spezialsoldaten. Man war hier extrem darauf bedacht, Politik und Geschichte so gut es geht außen vor zu lassen, der zweite Weltkrieg ist zwar der Schauplatz des Films, spielt in der Story aber kaum eine Rolle. Die gesamte Welt wird bedroht, und zwar von einem Verrückten, der zufällig einen deutschen Akzent hat (übrigens brillant von Hugo Weaving umgesetzt, ohne dabei in übertriebene Veralberungen auszuarten).
Atmosphärisch kann Captain America – The First Avenger vor allem in den Steampunk-Parts punkten, die ein wenig an Bioshock erinnern, ansonsten kann der Film optisch wenig beeindrucken, das meiste ist Standard-Studio-Kost. Den 3D-Fans, sofern es solche überhaupt geben sollte, sei gesagt, dass der blau-weiß-rote Held traditionell gefilmt und nur nachträglich in 3D konvertiert wurde, der Effekt hält sich dezent im Hintergrund. Für diesen subtilen 3D-Effekt, den man eigentlich nur wirklich merkt, wenn Schrift im Bild ist, finde ich den Aufpreis nicht gerechtfertigt.
Die Darsteller bieten allesamt solide Schauspielkunst, mehr aber auch nicht. Einzig Hugo Weaving sticht ein wenig heraus, aber das erwartet man von ihm auch. Chris Evans spielt den Captain ebenso souverän, wie er schon zuvor Human Torch in The Fantastic Four gespielt hat, allerdings bietet die Rolle auch keine großen Herausforderungen. Captain America bleibt auch mit neuem Körper und neuen Stärken und trotz des plötzlichen Einflusses auf das weibliche Geschlecht der alte Steve Rogers. Man sagt zwar, Macht korrumpiere, Evans darf aber 124 Minuten exakt die selbe Rolle spielen, ohne Zweifel, ohne Hochmut, überhaupt fast gefühlslos. Dass er 70 Jahre später aus einer unfreiwilligen Stasis erwacht und alle Menschen die er kannte, liebte und für die er gekämpft hat, tot sind, tut der Mann mit dem Schild mit einem kurzen Spruch und einem Schulterzucken ab. Ein bisschen so fühlt man sich als Zuschauer im Kino auch. Captain America: The First Avenger ist eigentlich nur ein 2-stündiges Intro für den kommenden Film The Avengers (unbedingt auf den kleinen Trailer nach dem Abspann warten) und der erste von 6 geplanten Filmen mit Chris Evans als Captain America. Man hätte sich hier deutlich kürzer fassen können oder den Film eher nach The Avengers als “Captain America: Origins” zeigen sollen. Die ersten Minuten spielen in der Gegenwart und dann wartet man 120 Minuten darauf, wieder im aktuellen Millenium zu landen. Allerdings fingen auch Iron Man, Hulk und Thor ganz am Anfang an, es sei dem Captain also gegönnt, auch seine Geschichte komplett erzählen zu dürfen. Schließlich geht es nächstes Jahr bereits weiter.
In der Gegenwart. Und ohne Nazis.
Fazit: Kann man sehen, muss man aber nicht. Sollte man allerdings, wenn man die folgenden Filme und The Avengers sehen möchte.
| Print article | This entry was posted by David on 05.08.2011 at 22:59, and is filed under Review. Follow any responses to this post through RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed. |
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about 9 months ago
Hm, ich fand das geniale am Film, dass eben genau diese Geschichte der Figur “Captain America” als Propaganda-Instrument auch als Hintergrund des Charakters eingeführt wurde. Und die Entwicklung “ihm gefällt es, die große Show zu machen” zu “er will sich endlich beweisen/der Befreiungsschlag” fand ich herrlich subtil – was ich nie von dem Film erwartet hätte.
Ich hoffe, die Liebesgeschichte (bzw. Ex-Liebesgeschichte, da Frau tot) wird noch aufgegriffen. Seine erste Reaktion könnte ich noch als Schock durchgehen lassen. Ich persönlich fand den Teil vor dem Zeitsprung bedeutend gelungener als den danach.
about 9 months ago
Also dass er den Tod der ersten und einzigen Frau, die er je geliebt hat, mit einem “I had a date” abtut, fand ich schon hart. Okay, kann der Schock gewesen sein.
Ich fand das in der Zeit und vor dem Hintergrund auch interessanter, aber es war halt echt nur ein Intro und das hat man gemerkt. Der Film fängt in der Gegenwart an und man wartet nur darauf, dass es da weitergeht. Klar hat die Vorgeschichte ihre Berechtigung, aber der Rahmen in dem sie erzählt wird lässt sie irgendwie unwichtig erscheinen. Man weiß wie es weitergeht, man weiß, dass nächstes Jahr die Avengers kommen…
Zu der Wandlung: stimmt, du hast recht, da merkt man was. Aber es wirkt von Anfang an wenig glaubwürdig, dass er überhaupt so motiviert bei der Sache ist, er wollte schließlich immer kämpfen und jetzt kann er es. Rational gesehen hilft er durch die Propaganda natürlich mehr, als er als einzelner Soldat im Kampf könnte. Oder zumindest denkt man das, bevor man sieht, was der Kerl ohne jegliche Ausbildung (das kleine Bootcamp zählt nicht) in taktischer oder kämpferischer Hinsicht leisten kann. Woher kommt das alles?
Nur als Hinweis: ich habe noch nie einen einzigen Comic mit Captain America gelesen, oft hat das einen nicht geringen Einfluss darauf, wie man einen Film erlebt.
Es war trotzdem ein unterhaltsamer Action-Film, keine Frage. Und der Captain ist definitiv ein interessanter Character, hoffentlich wird das in den nächsten Filmen auch mal gezeigt. Wie alle Superhelden hat er keine Eltern mehr, seine große Liebe ist tot… das muss man doch mal alles einbauen!
about 9 months ago
Für mich war es schon nachvollziehbar: Er will unbedingt kämpfen, wird zum Supersoldaten (hope glowing in his eyes) – dann Rückschlag: “Ne, du machst mal lieber Werbung. Wir wollen unseren einzigen Supersoldaten nicht risikieren.” Dann allerdings steht er das erste Mal vorm Publikum (noch an der Heimatfront) und bekommt Feedback ( = Anerkennung), was an einem ehemaligen Hänfling/Looser nicht spurlos vorbei geht. Deswegen ist es dann auch ein Aufweckruf, als die Soldaten an der Front ihn von der Bühne buhen (übrigens auch ein Aufweckruf für den Zuschauer “Ja, alles total lustig und super – nicht.”). Das gibt ihm den Stoß in die richtige Richtung und er wird zum Helden. Natürlich noch immer etwas plakativ – aber ich hab noch in keinem Superheldenfilm gesehen, wo der Held schon ganz am Anfang dekonstruiert wird (er lässt sich in billigen Schmierenfilmen als Kriegsheld inszenieren obwohl er nie ein Schlachtfeld von Weitem gesehen hat). Kurz, ich fands echt schade, dass sie eine Rahmenhandlung drumgepackt und dadurch 90% der Films zu einem nebensächlichen Einschub degradiert haben.
P.S.: Warum er plötzlich zielgenau aus 100 Metern jemanden mit seinem Schild ausnocken kann, wird wirklich nicht klar, da geb ich dir recht. Man könnte sich da “er hat halt mit seinem Schild während der Zeit nach seiner Verwandlung rumgespielt” oder “Zielsicherheit ist Teil des Effekts vom Serum” aber das wird aus der Filmlogik jedenfalls nicht ganz klar. Ich glaube, ich habs aus “Wunschdenken”-Gründen akzeptiert. ^^
P.P.S.: Ich hab Captain America auch bei dem Film zum ersten Mal gesehen. Vielleicht auch ein Grund, warum ich so positiv vom Film überrascht war. Vom Hören fand ich den Charakter ziemlich langweilig (es war halt ein billiges Propaganda-Comic, das sie über die Zeit gerettet haben). Aber dann kam diese selbst-reflexive Wendung, wo sie die Geschichte des Comics… (s. oben) :D
about 9 months ago
Stimmt, ich fand das Konzept auch immer sehr langweilig, insofern hat der Film schon positiv überrascht, vor allem, weil er nicht vor übermäßigem Patriotismus strotzte, was bei einem Namen wie “Captain America” sicher nicht leicht zu bewerkstelligen war. Bin gespannt, wie es weitergeht. Hulk mag ich eigentlich überhaupt nicht, also zumindest die Filme nicht, auch wenn der innere Konflikt schon einiges an Potential hat. Mit Thor kann ich auch nicht viel anfangen, aber die Kombi aus Iron Man und dem Captain stelle ich mir schon ganz witzig vor.